
Im Jahr 1892 gründete Benjamin Goldberg nach Abschluss seiner Berufsausbildung zum Polsterer in Siegburg ein Unternehmen mit der Vertretung von bekannten Nähmaschinen-Herstellern und namhaften Fahrradmarken. Das Fahrrad ließ Goldberg seither nicht mehr los und er bringt sein eigenes „Vehikel“ mit dem Namen „Gold-Rad“ auf den Markt.
Der Name „Gold-Rad“ entstammte einer Geschäftsidee von Benjamin Goldberg. Den Namen „Gold-Rad“ ließ er sich als Markenbezeichnung rechtlich sichern.
Bereits 1910 wurde der Firmensitz von Siegburg nach Köln nahe des Ebertplatzes verlegt. In Köln hat der Fahrradhersteller Goldberg sich mit der Markenvielfalt seiner Zweiradherstellung schnell einen guten Namen gemacht. Ab den 1930er Jahren wurde die Fahrradproduktion um Fahrräder mit Hilfsmotor zunehmend ergänzt.
Nur zwei Jahre später – im Jahr 1912 – hat der Fahrradhersteller Goldberg dann seinen ersten Firmen-Katalog herausgegeben, die daraufhin regelmäßig erschienen sind.

In den Anfänge des 1. Weltkrieges waren die Umsätze im Fahrradverkauf zunächst rückläufig. Aus der Not der kriegsbedingten Benzinknappheit entwickelte sich das Fahrrad für die Menschen allerdings zunehmend als zuverlässiges, günstiges und sparsames Fortbewegungs- und Transportmittel. Es erfreute sich zunehmender Beliebtheit – und damit stieg die Nachfrage nach Fahrrädern.
Im weiteren Verlauf bot Goldberg seinen Kunden den Kauf der Fahrräder auf Ratenzahlung mit monatlichen Raten an, was wiederum die Nachfrage und somit den Firmenumsatz erhöhte.
Die Zeit der folgenden Inflation meisterte das Unternehmen Goldberg derart erfolgreich, dass sogar weitere Filialen und und Auslieferungslager in anderen Städten eröffnet werden konnten.
Um der wachsenden Nachfrage nach Zweirädern gerecht werden zu können, errichtete das Unternehmen Goldberg 1930 in Köln-Ehrenfeld eine neue Fertigungshalle für ihre wachsende Fahrradfabrikation.
Auch die wiederum aufflammende Weltwirtschaftskrise mit der damit einhergehenden hohen Arbeitslosigkeit wurde dank des Einfallsreichtums der Firmeneigner gut umschifft.
Die anhaltende Nachfrage nach Fahrrädern als günstiges Transportmittel war nach wie vor ungebrochen, so dass am Produktionsstandort Köln mit Ideenreichtum und geschickter Verkaufsstrategien Fahrräder mit einem Hilfsmotor von Fichtel&Sachs große Erfolge erzielt werden konnten. Eine neue Ära auf dem Fahrrad-Markt war angebrochen.
Gleichzeitig richtete das Unternehmen „Gold-Rad“ eine neue Abteilung für die Herstellung und den Vertrieb von Motorrad- und Autoteilen ein.

Der bereits in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellte Einfalls- und Ideenreichtum der Familie Goldberg war quasi der Motor für den geschäftlichen Erfolg und ein sicheres wirtschaftliches Fahrwasser des traditionsreichen Unternehmens Goldberg.
Im Jahre 1930 richtete „Gold-Rad“ einen firmeneigenen Rennstall ein und nahm mehrere erfolgreiche Berufsrennfahrer unter Vertrag. Große Aufmerksamkeit erregte „Gold-Rad“ damals mit einem eigens für Werbezwecke entwickelten „Glaswagen“, der aus einem LKW mit verglaster „Vitrine“ entwickelt worden war. Bei großen Rennveranstaltungen wurden Prospekte und weiteres Werbematerial an unzählige Zuschauer verteilt.
Ein Glanzstück auf seiner Erfolgsleiter gelang Benjamin Goldberg mit einem eigens für Radrennfahrer Toni Merkens erbauten „Gold-Rad“, mit dem dieser bei den Olympischen Spielen 1936 eine Goldmedaille im Sprint erringen konnte. Toni Merkens gehörte in den 1930er Jahren zur Weltelite der Bahnradsportler. Noch heute wird die Fahrrad-Marke „Gold-Rad“ als nach wie vor bekanntes Markenzeichen aus Köln in den Medien gehandelt.
Wegen des jüdisch anmutenden Namens „Goldberg“ bekamen die Firmeninhaber in der Zeit des Nationalsozialimus kurzzeitig Probleme. Dieser Vorwurf konnte die Familie Goldberg durch einen Nachweis ihrer christlichen Wurzeln aus dem Kirchenregister bis ins Jahr anno 1640 zurück entkräften.
In den 1950er Jahren wurden, dem Trend folgend, Kleinmotorräder und weiterhin Fahrräder mit Hilfsmotor angeboten, auch als Mopeds bekannt. Etwa zeitgleich hat das Unternehmen bis etwa 1955 zusätzlich auch ein „Gold-Rad“-Motorrad, Modell T 51, hergestellt.
Der Motor war ein Einzylinder-Zweitakt-Einbaumotor von Fichtel&Sachs mit einem 98cm3-Motor und einer Leistung von 2,75 oder 3 PS bei 4000 U/min, Höchstgeschwindigkeit 67 km/h. Das serienmäßig in der Farbe Stahlgrau hergestellte Moped kostete damals 850,00 DM.

Parallel dazu wurden auch weiterhin trendaktuelle Mopeds hergestellt. Ein Auszug aus den Jahren von 1955 bis 1961 zeigt die Angebotspallette des Unternehmens Goldberg an motorisierten Fahrrädern auf:
*Beschreibung Goldrad 56 S (Auszug)
Motor: Sachs Einzylinder-Zweitakt, Bohrung 38, Hub 42, Verdichtung 1:6,
Dauerleistung: 1,25 PS bei 4100 U/min, Höchstdrehzahl 5500 U/min,
Getriebe und Antrieb: 2 Gänge, Drehgriffschaltung,
Tankinhalt: 5,3 Ltr., Reserve 1,5 Ltr., Gemisch 1:25
Verbrauch: Normverbrauch 1,3 Ltr./100 km.
1957 und 1958 wurden von Goldberg sogenannte Solo-Mopeds mit Sachs-Zweigangmotor angeboten. Das Modell 57 mit einem Preß-Stahl-Schalenrahmen, 5,3-Liter-Tank und Sattel angeboten.
Und ein Solo-Sport-Moped wurde zum Kauf angepriesen, ebenfalls mit Preß-Stahl-Rahmen, aber mit 10,8-Liter-Tank und Sitzbank. Beide Ausführungen waren mit einer vorderen Telegabel und einer Hinterradschweinge mit Federbeinen ausgerüstet.
Ab 1970 wurde von Gold-Rad der Vertrieb des in Italien von 1968 bis 1979 hergestellten Mofas „Motograziella“ übernommen. Das Mofa war mit einem Einzylinder Zweitakt-Otto-Motor
ausgestattet mit 47 cm3.
Je nach Typ betrug die Geschwindigkeit 25 km/h oder 40 km/h.
Ein zusammenklappbares Mofa mit 8-Zoll-Rädern, das durch Umklappen beider Lenkerhälften und durch Einschieben des Sattels im Kofferraum handlich zu verstauen war.
Im Zweiten Weltkrieg anvancierte das Unternehmen Goldberg die Wehrmacht quasi als „Hoflieferant“ mit Fahrrädern und Ersatzteilen sowie mit einschlägigen Werkzeugen.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Fertigungsanlagen und Büroräume durch einen Bombenangriff total zerstört. Verwertbare Teile wurden in einem Depot in Bergisch Gladbach eingelagert.
Benjamin Goldberg, der Firmengründer, verstarb 1944. Seine beiden Söhne Albert und Carl waren die rechtmäßigen Nachfolger des Traditionsunternehmens „Gold-Rad“.
Eine neue Produktionsstätte wurde nach dem Krieg in Köln-Riehl erbaut. Die Produktion von Kinderartikeln und Fahrrädern wurde dort ab 1950 aufgenommen. Achtundvierzig Jahre später, im Jahre 1998, wurde der Betrieb geschlossen.
Anhand der publizierten Firmengeschichte mit Benjamin Golmann an der Spitze des Unternehmens, könnte eine familiär geprägte Unternehmensstruktur als Familienbetrieb unter aktiver Einbindung der Söhne Albert und Carl angenommen werden.
Zumal beide Söhne nach dem Tod ihres Vaters und Firmengründers als offenbar gleichberechtigte Nachfolger das Unternehmen „Gold-Rad“ übernommen haben.
Denn bei einem Familienunternehmen führen Familienmitglieder grundsätzlich gemeinsam das Unternehmen. Dabei ist die Eigentumsstruktur sowie die Leitung einvernehmlich ausgeglichen gewichtet.
Auf einen Familienbetrieb deutet ausserdem die tatkräftige Agilität und die einfallsreich eingebrachte Innovation und das unermüdliche Ideen-Potential innerhalb der Führung deutlich hin.
Das bedeutet, das Unternehmen gehört einer Familie vollständig und verantwortet gemeinsam die Geschäftsführung. Diese Verhältnisse werden überwiegend bei kleineren bis mittleren Unternehmen praktiziert.

Der Ideenreichtum und Geschäftssinn der Familie Goldberg sicherte der Marke „Gold-Rad“ mit einer unermüdlichen und erfolgreichen Verkaufsstrategie sowie einer innovativen und zukunftsweisenden Entwicklung im Fahrzeugbau die Zukunft.
Der Einfallsreichtum der Unternehmerfamilie war der unumstößliche Garant für ein gesundes und solides wirtschaftliches Wachstum in der Zeit ihres Bestehens. So brachte „Gold-Rad“ ab 1930 ein Fahrrad mit einem Einzylinder Hilfsmotor von Fichtel&Sachs erfolgreich auf den Markt. Zeitnah wurde die Herstellung von Auto- und Motorradteilen aufgenommen.
Neben den herkömmlichen Fahrradmodellen, wie Herren- und Damenfahrräder, wurden Lastenfahrräder, Tandemfahrräder von „Gold-Rad“ produziert. Dazu gehören Kinderfahrzeuge
und ausgefallenen Fahrradmodelle, die als Saalsporträder bezeichnet wurden.
Parallel dazu wurden auch weiterhin Jahr für Jahr eine Vielzahl von unterschiedlichen Ausführungen von Mopeds hergestellt, um jeweils mit dem Zeitgeist und mit den Ansprüchen der Kunden im Trend zu liegen.
In den 1960er Jahren hat das Unternehmen „Gold-Rad“ die Produktion für das Klapp-Rad „Piccolo“ aufgenommen. In der damaligen Zeit hat wurde mit Stolz darauf hingewiesen, dass das Faltfahrrad in einem VW 1200 verstaut werden könnte.
Es wurde auch durch Umgestaltung der Fahrradkonstruktionen die zunehmende Motorisierung innovativ berücksichtigt. Erstmals ergänzten auch Heimsportgeräte die Angebotspalette von „Gold-Rad“.