Fahrräder der italienischen Marke Bianchi – Siegeszug im Rennsport

Wer den Namen Bianchi hört, denkt automatisch an die himmelblaue Farbe, die in den 1930’er Jahren zum Markenzeichen geworden ist. Vor allem im Rennradsport sind die typischen Modelle in Celeste nicht mehr wegzudenken und haben sich bis zum heutigen Tage bewährt.

Edoardo Bianchis Werdegang

Trotz des frühen Todes seiner Eltern und seines dadurch schwierigen Starts ins Leben gelang es Edoardo Bianchi im Jahre 1885 sich im Alter von 20 Jahren mit seiner „Officina Meccanica Edoardo Bianchi“ selbstständig zu machen. Zu Beginn seiner Karriere als Fahrradbauer genügten ihm für die Reparatur und Produktion von Hochrädern noch zwei Geschäftsräume, in denen er daneben auch Radnaben, Kugellager, Präzisionsmaschinen und chirurgische Instrumente anfertigte.

Bianchi bewies von Anfang an einen guten Geschäftssinn und beobachtete die rasche Entwicklung der Fahrräder in den anderen Ländern ganz genau. So beschäftigte er sich vor allem mit den unterschiedlichen Größen des Vorder- und Rückrades, die sich zu dieser Zeit in Frankreich immer mehr anglichen. Er zögerte nicht lange und entwickelte innerhalb eines Jahres das erste italienische Fahrrad mit gleichgroßen Rädern sowie einem Kreuzrahmen, verringerter Pedalhöhe und einem zweigeteilten Lenker.

Diese Veränderungen verbesserten das Fahrgefühl erheblich und erreichten somit immer mehr Menschen, die nun ebenfalls in der Lage waren, diese zu benutzen. Ebenso sorgte die Bauweise für weniger Unfälle und infolgedessen für einen höheren Absatz, da sich das Fahrrad jetzt vielseitiger nutzten ließ.

Als dann 1888 die Hartgummireifen durch die revolutionären Reifen von Dunlop perfektioniert wurden, erreichten die Fahrräder Bianchis ihren endgültigen Durchbruch. Diese bahnbrechende Entwicklung war nicht nur in der Erfolgsgeschichte Bianchis ein Meilenstein, sondern gilt auch als Prototyp des Fahrrades der heutigen Zeit.

Von maßgeschneiderten Modellen zur Serienproduktion

Durch die weiter anwachsende Nachfrage wurden die ersten Geschäftsräume schnell zu klein und Bianchi fand nach zweimaligem Umzug in der Via Borghetto einen neuen Wirkungskreis mit weit größerer Ladenfläche und einer Werkstatt, die es ihm ermöglichte, seine Räder fortan in Serienproduktion herstellen zu können. Dies führte dazu, dass sich der Name Bianchi immer mehr auf dem Fahrradmarkt etablierte und aufgrund seiner Beliebtheit zahlreiche Auszeichnungen erhielt.

Als die Beschäftigtenzahl kurz darauf schließlich die 400’er Marke überschritt, entschloss Edoardo Bianchi sich dazu, sein Geschäft in eine Aktiengesellschaft umschreiben zu lassen. Finanziell gut abgesichert und mit einer weiterhin anhaltenden Nachfrage überstand Bianchi auf diesem Wege selbst die Wirtschaftskrise im Jahre 1907, ohne dabei einschneidende Verluste einfahren zu müssen.

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Optimierung des Fahrgefühls

In den Anfangsjahren des Radsports lag der Fokus hauptsächlich auf der Optimierung des komfortablen Fahrgefühls durch eine möglichst ergonomische Haltung, die gleichzeitig windschnittig genug ist, um auf den damals äußerst unebenen Straßen möglichst hohe Geschwindigkeiten erlangen zu können. Dabei war es wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse des Radfahrers eingehen zu können und ihn mit seinem Zweirad eins werden zu lassen. Dies gelang vor allem dank der Unterstützung erfolgreicher Berufsradsportler wie Giovanni Ferdinando Tommaselli, der sich mit seinem Wissen und seiner persönlichen Erfahrung gewinnbringend in der Geschäftsführung miteinbrachte.

Während des ersten Weltkrieges

Selbst während des Ersten Weltkrieges bewährte sich das gut durchdachte Konzept der Firmenleitung, wodurch sogar ein deutlich gesteigertes Plus zu verzeichnen war. Und das zu einer Zeit, in der andere Radläden schließen mussten und am Existenzminimum kratzten. Kaum war dieses dunkle Kapitel für alle überstanden, wurden wieder Radrennen veranstaltet, aus denen immer öfter einen Mitstreiter aus der Bianchi Reihe das Rennen für sich entschied.

Während des zweiten Weltkrieges

Die Folgen des Zweiten Weltkrieges waren jedoch eine harte Bewährungsprobe und hinterließen tiefe Spuren in der Firmengeschichte. Nicht nur, dass das gesamte Firmengelände in Trümmern lag, sondern dann starben auch noch Ferdinando Tommaselli und Edoardo Bianchi, womit innerhalb von nur drei Jahren alles zusammenbrach, was Bianchi in den letzten 60 Jahren erschaffen hatte.

Celeste - Farbton von Bianchi

Altbewährtes in einem neuen Kapitel der Firmengeschichte

Nun stand Giuseppe Bianchi mit seinen 18 Jahren genau da, wo sein Vater in seinen jungen Jahren auch schon einmal stand. Tatkräftig begann er mit dem Wiederaufbau der Firma, welcher durch die finanzielle Unterstützung durch den Staat sowie durch Amerika beschleunigt wurde. Glücklicherweise konnte er auf all die bereits gesammelten Erfahrungen zurückgreifen und wusste genau, welches Potenzial gerade Fahrräder in diesen schwierigen Zeiten besaßen.

Erneut war es wieder der Radsport, der maßgeblich dafür mitverantwortlich war, dass die Umsatzzahlen innerhalb kürzester Zeit wieder nach oben gingen. So fuhr auch der Radweltmeister Fausto Coppi ein Bianchi Fahrrad, welches genauso in die Geschichte des Radsports einging wie er selbst, denn das Rennen, das er mit diesem extra für ihn angefertigten Rennrad fuhr, war zugleich die Geburtsstunde der berüchtigten Bianchi-Farbe.

Dennoch gelang es in den Nachkriegsjahren nicht mehr, an die ursprüngliche Erfolgsgeschichte anzuknüpfen. Gerade in den 50’er Jahren kam es zu fortwährenden finanziellen Problemen, die dazu führten, dass immer mehr Geschäftsanteile abgetreten werden mussten. Dieser Prozess hielt bis 1980 an und endete damit, dass Bianchi zu Piaggio überging und somit nicht mehr eigenmächtig handeln konnte.

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Seit 1997 gehört Bianchi zur Cycleurope Unternehmergruppe aus der Schweiz und vermarktet nach wie vor Profirennräder mit sehr hohen Standards. Diese werden noch immer von Radweltmeistern unserer Zeit geschätzt und sind unter Kennern weiterhin beliebt. Inzwischen umfasst das Sortiment die drei Spaten Rennsport, Triathlon und Mountainbiking, wobei bei allen Modellen nach wie vor auf die Wirkung von Celeste gesetzt wird.

Dieser Farbton ist ohne jeden Zweifel längst zum kultigen Statussymbol der Bianchi Fahrräder geworden und hat sich weit mehr manifestieren können als das Firmenlogo, welches seit seiner Einführung im Jahre 1891 einige Veränderungen hinter sich brachte und lediglich den Adler mit Krone beibehalten hat.

Modernes Bianchi-Fahrrad

Pionierleistungen in der Motorrad- und Autoentwicklung

Neben seinem Hauptgeschäftszweig der Fahrradherstellung widmete sich Bianchi jedoch auch der Herstellung von Motorrädern und Autos.

Motorisierte Räder

Bereits 1897 entwickelte Edoardo Bianchi seine ersten Räder mit Hilfsmotor. Den Anfang machte ein motorisiertes Dreirad, auf das im Jahr 1902 das Motocicletto folgte. Beide benötigten zum Antrieb noch Pedalunterstützung beim Anfahren sowie bei Bergauffahrten und erreichten eine maximale Geschwindigkeit von 45 km/h.

Darauf folgte dann im Jahr 1912 das erste in Massen produzierte Bianchi-Motorrad, welches bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs mit einer Vorderradfederung ausgestattet war und binnen kürzester Zeit zum Verkaufsschlager wurde. Durch die Erweiterung des Sortiments mit den unterschiedlichsten Hubräumen gelang es Bianchi sehr schnell, sich einen soliden Stand in der frühen Motorradbranche aufzubauen und schaffte es sogar, sich im Motorradsport einen Namen zu machen.

Auch hier spielte die berüchtigte Bianchi-Farbe von Anfang an eine tragende Rolle, da es 1925 im Bianchi-Team gleich drei Fahrer mit 350’er Maschinen ins Ziel schafften und damit das mit dem Namen Freccia Celeste getaufte Motorrad immer mehr Aufmerksamkeit erhielt. Als dann der Motorradweltmeister Novolgari im selben Jahr die Europameisterschaft siegreich hinter sich brachte, ging die Freccia Celeste endgültig in die glanzvolle Firmengeschichte ein.

1958 zeigte dann auch das Militär Interesse an den Motorrädern von Bianchi und ließ 4500 Modelle des Typs MT61 anfertigen, welche als Vorläufer der noch heute bekannten Enduro-Maschine bezeichnet werden können. Anschließend wurde noch Modelle mit kleinerem Volumen hergestellt, welche jedoch nicht den erwarteten Umsatz einbrachten und somit zu den letzten Modellen wurden. Im Jahr 1967 musste die Motorradproduktion daraufhin vollständig eingestampft werden.

Bianchi Automobile

Ebenfalls erfolgreich und zugleich bemerkenswert war die Geschichte der Bianchi Automobile, die mit der ersten Leichtbaureihe der Voiturette im Jahre 1903 begann und bis 1989 andauernde. Kaum verwunderlich, dass Bianchi sich schnell mit der Entwicklung eigener Motoren befasste und diese stetig weiterentwickelte, um auch mit seinen eigenen Rennautos im Automobil-Motorsport mitmischen zu können. Mit herausragenden Größen wie Alfieri Maserati gelang ihm dies auch auf glanzvolle Weise, was maßgeblich dafür verantwortlich war, dass sich Bianchi-Automobile ebenfalls einer sehr großen Beliebtheit erfreuten.

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Neben Rennwagen wurden auch unterschiedlich große Lastwagen und Panzerfahrzeuge produziert, die überwiegend von Giuseppe Merosi konstruiert wurden.

Ende der Geschichte

Aufgrund der hohen Konkurrenz kam es jedoch immer wieder zu finanziellen Notlagen, die spätestens nach dem Tode des Firmengründers Edoardo Bianchi nicht mehr selbstständig zu bewältigen waren und eine Kooperation mit Fiat notwendig machten.

Was bleibt ist eine beeindruckende Firmengeschichte mit vielen Höhen und Tiefen, die nun nach 130 Jahren dort endet, wo sie einst angefangen hat: Bei unverwechselbaren Fahrrädern in Celeste, die noch heute zahlreiche Radsportler und Hobbyradler durch ihre hervorragende Qualität überzeugen.

Bildnachweise:
Bild 1: Bianchi Fahrräder. Bild von Holger Heusner auf Pixabay
Bild 2: Celeste - Farbton von Bianchi. Photo by James Orr on Unsplash
Bild 3: Modernes Bianchi-Fahrrad. Photo by Angel Santos on Unsplash
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