
Medizinisches Bikefitting bezieht sich auf die Anpassung des Fahrrads an den individuellen Körper und die Bedürfnisse des Fahrers oder der Fahrerin, um Verletzungen zu vermeiden und die Leistung zu verbessern. Es geht um die optimale Einstellung von Sattelhöhe, Lenkerposition, Tretlager-Position, Kurbelarm- und Pedalposition und anderen Faktoren, die das Fahrradfahren angenehmer und effizienter machen.
Um das Fahrrad auf die körperlichen Voraussetzungen anzupassen, muss zunächst der Winkel zwischen Oberschenkel und Körper ermittelt werden. Anhand dieses Winkels können später die maximale Vorlage auf dem Fahrrad und der Abstand von Lenker zu Sattel ermittelt werden. Außerdem wird anhand des Winkels zwischen Oberschenkel und Körper die Differenz zwischen Lenker- und Sattelhöhe ausgerechnet. Auf City- und Trekkingbikes wird in der Regel von vorneherein eine aufrechtere Position eingenommen. Dieses Vorgehen ist vor allem beim medizinischen Bikefitting für Triathlon- oder Rennräder wichtig.
Beim Umgreifen der Griffe dürfen die Handgelenke nicht überstreckt sein oder abknicken, sie sollten im gleichen Winkel zu den Unterarmen den Lenker umgreifen. Der Abstand sollte so groß sein, dass die Bremsgriffe ohne Problem erreicht werden können.
Der Winkel des Sattels sollte möglichst waagerecht eingestellt werden. Wenn es die körperlichen Voraussetzungen zulassen, kann die Nase des Sattels leicht abfallen. Die Breite des Sattels wird durch die Vorbeugung des Oberkörpers und den Abstand der Sitzknochen ermittelt. Die Höhe des Sattels wird über den Winkel der Knie bestimmt. Sobald sich die Kurbel des Pedals exakt in der Verlängerung des Sitzrohrs befinden, muss der Kniewinkel 150 Grad betragen.
Auch der Armwinkel wird beim medizinischen Bikefitting ermittelt, das Fahrrad muss so eingestellt werden, dass die Haltung möglichst entspannt ist und die Wirbelsäule schont. Zwischen Rücken und Armen sollte der Winkel deswegen 90 bis 100 Grad betragen.
Wenn sich der Fahrradfahrer in der 3-Uhr Pedalstellung befindet, sollte das Fußgewölbe genau über der Pedalachse liegen. In dieser Stellung fällt automatisch ein Lot von der Kniescheibe auf die Vorderkante der Pedale. Es kann aber auch vorkommen, dass das Lot weiter vorne oder hinten liegt. In diesem Fall wird der Sattel vom Experten nach hinten oder vorne verschoben. Wenn das Lot vor die Pedalachse fällt, wird der Sattel nach hinten verschoben. Wenn das Lot hinter die Pedalachse fällt, wird der Sattel nach vorne verschoben. Das Lot muss durch die Pedalachse laufen, damit die Kräfte, die von den Beinen ausgehen, optimal übertragen werden können. Wäre dem nicht so, würde der Fahrradfahrer unnötig Kräfte aufwenden, die nicht richtig übertragen werden können. Dank des Einsatzes des Lots wird die Einstellungsarbeit deutlich erleichtert und das Fahrrad kann millimetergenau auf seinen Fahrer angepasst werden.
So wendet der Experte das Lineal an

Im Zuge des medizinischen Bikifittings bedient man sich auch einiger Hilfsmittel, die die Arbeit erleichtern. Eines davon ist das Lineal, welches in Fachkreisen und unter Experten auch Goniometer genannt wird. Mit Hilfe des Lineals kann man die Achse und den Bewegungsumfang des Gelenkes messen. Die Gonimeter sind um 360 Grad drehbar und können so ganz gezielt die körperlichen Voraussetzungen messen. Das Lineal dient den Experten also zur Vermessung von Gelenkswinkeln und zur Ermittlung der Stellung der Knochen. Außerdem ist diese Art von Lineal dazu geeignet, die Beweglichkeit der Extremitäten zu bestimmen. Das Lineal ist mit Gradzahlen und Hilfslinien bedruckt, die das Ablesen erleichtern. In der Regel besteht das Gonimeter aus Kunstsoff und ist deswegen sehr robust und stabil.
Lässt man ein medizinisches Bikfitting durchführen, werden die anatomischen Gegebenheiten genauestens analysiert und dokumentiert. Mit diesem Vorgehen kann sichergestellt werden, dass das Fahrrad später den persönlichen und individuellen Bedürfnissen entspricht und der Fahrer seine volle Leistung entfalten kann. Möchte man das Bikefitting selbst zu Hause durchführen, könnte man sich diese Hilfsmittel theoretisch auch kaufen. Allerdings muss man über deren Anwendung gut Bescheid wissen. Der Drehpunkt des Lineals wird zunächst am Gelenk angelegt, während die beiden Schenkel an der Längsachse von Fuß oder Hand ausgerichtet werden. Wenn dann eine Bewegung ausgeführt wird, wird ein Schenkel in die jeweilige Bewegungsrichtung mitgeführt.
Im Zuge der Ergonometrie beschäftigt man sich mit der korrekten Haltung des Körpers, im Falle des Bikefittings aber auch mit der ergonomischen Form des Fahrrads. Das Ziel ist es, den Körper zu entlasten, was besonders bei längeren Fahrten mit dem Fahrrad wichtig ist. Ein schlecht eingestelltes Fahrrad kann Erkrankungen des Bewegungsapparates und Muskelentzündungen begünstigen. Außerdem kann eine schlechte Ergonometrie dafür verantwortlich sein, dass Kräfte nicht richtig übertragen werden können. Wenn man das Fahrrad hinsichtlich seiner Ergonometrie richtig einstellt, können potentielle Verletzungsmöglichkeiten erkannt und eliminiert werden.
Beim medizinischen Bikefitting versucht man daher, die natürliche Haltung des Körpers so gut wie möglich beizubehalten. Nehmen die Menschen eine verkrampfte Haltung ein, äußerst sich dies durch Muskel- und Gelenksschmerzen. Besonders bei längeren Fahrten mit dem Bike kann dies sogar zu chronischen Beschwerden führen. Das Ziel ist daher, den Körper beim Sitzen ins Gleichgewicht zu bringen, damit er so wenig wie möglich belastet wird. Außerdem sollten die Gelenke in einer Linie bleiben. Die natürliche Körperhaltung darf also in keinem Fall verfehlt werden und der Mensch sollten sich nicht dem Fahrrad anpassen, sondern umgekehrt. Besonders bei Menschen, die noch wachsen, ist ein regelmäßiges Bikefitting empfehlenswert. Auf diese Weise kann der Bewegungsapparat entlastet werden und das Risiko für Muskel- Skelett- Erkrankungen wird nachhaltig gesenkt.

Das medizinische Bikefitting dient nicht nur der optimalen Kräfteübertragung, mit dem Ziel, dass der Fahrer schneller unterwegs ist. Es sorgt außerdem dafür, dass das Fahrrad so optimiert wird, dass Schmerzen reduziert, oder sogar vermieden werden können. Besonders längere Fahrten und regelmäßiges Fahren stellen bei einem falsch eingestellten Fahrrad ein Risiko für die Gesundheit dar. Doch medizinisches Bikefitting ist nicht nur für professionelle Sportler interessant, jedem Fahrradfahrer kann man das Einstellen des Fahrrads ans Herz legen. Es ist zum Beispiel auch möglich, bestimmte Handicaps auszugleichen. Das Fahrrad kann individuell auf viele Einschränkungen des Körpers angepasst werden. Auch Schmerzen können gelindert oder sogar ganz vermieden werden. Schlecht eingestellte Fahrräder sorgen oftmals für Schmerzen und Taubheit in Rücken, Nacken, Füßen, Händen, Gesäß und Knien. Würde man diese Beschwerden ignorieren, drohen früher oder später gesundheitliche Beschwerden, die unter Umständen auch chronisch werden könnten. Dadurch wird ein dauerhaft beschwerdefreies Fahren ermöglicht und außerdem kann die Effizienz verbessert werden. Infolgedessen wirken auch Trainingseinheiten besser, das Training ist also wesentlich effektiver. Medizinisches Bikefitting hat also große Auswirkungen auf die Gesundheit und kann vor langfristigen Erkrankungen schützen.
Es gibt viele Möglichkeiten, ein Bikefitting durchführen zu lassen. Viele Verkäufer von Fahrrädern bieten die Möglichkeit an, das Fahrrad nach dem Kauf einstellen zu lassen. Dies hat den Vorteil, dass man es immer mit einem Ansprechpartner zu tun hat und dieser die persönlichen Wünsche und Vorstellungen schon kennt. Außerdem kennt sich der Händler mit den Fahrradmarken, die er vertreibt, bestens aus und weiß genau, welche Schrauben er drehen muss, um das Fahrrad auf die individuellen körperlichen Gegebenheiten anzupassen. Empfehlenswert ist allerdings, das Fahrrad schon vor dem Kauf einstellen zu lassen. Den erst nach der richtigen Einstellung merkt man oftmals, ob das Bike auch wirklich zu einem passt oder nicht. Es wäre nämlich sehr ärgerlich, wenn man zu spät merken würde, dass die Bauform nicht passend ist.
Einige Verkäufer bieten zum Kauf sogar ein kostenloses Bikefitting an. Möchte man sein Fahrrad also einstellen lassen, sollte der erste Ansprechpartner der Verkäufer sein. Hin und wieder kommt es auch vor, dass das Fahrrad schon gekauft wurde und man es im Nachhinein anpassen möchte. Auch in diesem Fall finden sich viele Anbieter, die ein Bikefitting anbieten. Die Profis sind in der Regel mit den meisten Fahrradmarken vertraut und wissen, worauf es ankommt. Nichtsdestotrotz sollte man sich aber ein wenig Zeit nehmen, denn je genauer das Bikefitting durchgeführt wird, desto nachhaltiger sind die Ergebnisse.
Wie viel ein medizinisches Bikefitting kostet kann pauschal nicht beantwortet werden. Der Preis hängt nämlich von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel bestimmt die Art des Fahrrades über den Preis, den der Kunde später zahlen muss. Je komplexer und hochwertiger das Modell ist, desto teurer wird das medizinische Bikefitting. Außerdem spielt es eine Rolle, wie genau das Fahrrad eingestellt wird. Falls Teile getauscht werden müssen oder Ersatzteile bestellt werden, kann der Preis zusätzlich in die Höhe klettern. Je hochwertiger diese Ersatzteile sind, desto mehr muss man am Ende zahlen. Es lohnt sich aber in jedem Fall, auf einen seriösen und professionellen Anbieter zu vertrauen, denn dann kann man sich sicher sein, dass das Bike perfekt eingestellt ist.
Gerade an dieser Stelle sollte man nicht sparen, denn die Gesundheit wird es einem später danken. In der Regel dauert das Bikefitting circa zwei bis drei Stunden. Falls Ersatzteile bestellt werden müssen, ist es meist notwendig, noch einmal zu erscheinen. Grob kann man allerdings festhalten, dass ein medizinisches Bikefitting zwischen 100 und 300 Euro kostet. Wenn man kein Profi- Fahrrad besitzt, kann man sich auf relativ geringe Kosten einstellen.