Die Radsportlegende Roger Pingeon – der lange Lulatsch aus Frankreich

Roger Pingeon wurde am 28. August 1940 in der französischen Gemeinde Hauteville-Lompnes im Departement Ain geboren. Als Teenager entwickelte er zunächst eine Leidenschaft für das Langlaufen und fand schließlich seine Passion für den Radsport.

Rennlizenz

7 Jahren bemühte er sich daher um eine Rennlizenz. Ein erster Versuch scheiterte, als der untersuchende Arzt bei ihm eine Herzrhythmusstörung feststellte. Unbeirrt suchte Pingeon einen weiteren Arzt auf, der ihm das für die Rennlizenz benötigte Gesundheitszeugnis ausstellte. Zunächst nahm Pingeon mit großem Erfolg an einigen Amateurrennen teil.

Beim Polymulitpliée Lyonnaise 1964 belegte er Platz 2 beim Rennen der Amateure. Am darauffolgenden Tag wurde Pingeon der Sieger des offenen Rennens, an dem auch professionelle Radrennsportler teilnahmen.

Die 60er Jahre: Karrierehöhepunkte

Die ersten Profijahre

Bei der Tour de France des Jahres 1965 belegte er den 12. Platz in der Gesamtwertung.

1966 dachte Pingeon bereits daran, seine Karriere zu beenden, entmutigt dadurch, dass er kurz hintereinander bei Paris-Nizza und auch der Critérium du Dauphiné hatte aufgeben müssen. Doch konnten ihn seine Kollegen dazu überreden, weitere Rennen zu fahren.

Tour de France 1966

Die Tour de France diesen Jahres sollte tatsächlich ein großer Erfolg für Pingeon werden, der wegen seiner langen Beine auch spaßhaft „le grand échassier“ (zu Deutsch: der lange Lulatsch) genannt wurde.

Nur gut acht Minuten nach dem Tour-de-France-Sieger Lucien Aimar kam Pingeon ins Ziel. Mit seiner herausragenden Leistung belegte er den achten Rang. Im darauffolgenden Jahr wurde die Tour wieder in Nationalmannschaften ausgetragen und Pingeon schaffte es in die französische Mannschaft.

Tour de France 1967

Die Tour de France des darauffolgenden Jahres 1967 wurde vom Tod von Pingeons Teamkollegen Tom Simpsons beim Erklimmen des 1909 Meter hohen Mont Ventoux (Etappe 13) überschattet.

Doch für Pingeon sollte diese Tour den größten Meilenstein in seiner gesamten Radsportkarriere darstellen. Pingeon gewann die fünfte Etappe von Roubaix nach Jambes. Bis auf nur eine Ausnahme behielt Pingeon das Gelbe Trikot auf allen weiteren Etappen und schließlich gelangte er mit einem Vorsprung von 3,40 Minuten auf Julio Jiménez in den Parc des Prince, das finale Ziel der Tour de France 1967.

Tour de France 1968

In der nächsten Saison wurde Pingeon durch Rückenschmerzen behindert, doch konnte er dennoch bei der Tour de France zwei Etappensiege einfahren und wurde schließlich Fünfter der Gesamtwertung. Beim Straßenrennen in Aubenas verpasste Pingeons nur knapp den Sieg und wurde Zweiter.

Das Erfolgsjahr 1969

1969 gewann Pingeon das Straßenradrennen Vuelta a Espana, nachdem er Luis Ocana um fast zwei Minuten geschlagen hatte.

Anzeige

In der Tour de France 1969 gewann er die Etappe von Chamonix und wurde nach Eddy Merckx Zweiter in der Gesamtwertung.

Die letzten Profijahre

Es sollte das letzte Mal sein, dass Roger Pingeon bei einer Grand Tour auf dem Siegerpodest stehen würde.

1970 erregte eine Dopingsperre Pingeons Aufsehen, die verhängt wurde, nachdem er während der Vier Tage von Dünkirchen positiv auf Amphetamine getestet worden war.

Das Leben nach dem Radsport

1974 beendete Pingeon seine Karriere und arbeitete als Experte für das Französische und später, von 1979 bis 1998, als Berater für das Schweizer Fernsehen.

Rodger Pingeons Bruder, René Pingeon, war ebenso wie Roger Radrennfahrer und während dessen Sieges bei der Vuelta 1969 einer seiner Teamkollegen.

Am 19. März 2017 starb Roger Pingeon im Alter von 76 Jahren in seinem Haus in Beaupont (Departement Ain) an einem Herzinfarkt.

Im Gedenken an ihn wird im Departement Hérault jährlich das Jedermannrennen L’Héraultaise Cyclosportive Roger Pingeon ausgetragen.

Weiterführende Beiträge