Der Radrennfahrer Wouter Weylandt – tragischer Tod auf der Rennstrecke

Der belgische Fahrer wurde am 27. September 1984 in Gent, einer Hafenstadt im Nordwesten Belgiens, geboren. Er galt als hoffnungsvoller Nachwuchsfahrer, zog sich aber am 9. Mai 2011 in Mezzanego, während der dritten Etappe des Giro d’Italia, schwerste Kopfverletzungen zu, an denen er am Unfallort verstarb.

Anfang der Karriere

Bereits im Jahre 2004, also in einem Alter von knapp 20 Jahren, gewann er die U23-Austragung des Grand Prix Waregem, einem belgischen Radrennen, das jährlich stattfand.

Probeakandidat überzeugt

Im Herbst desselben Jahres fuhr er bereits für das Rennteam Quick Step-Innergetic, wobei er als Stagiaire, als sogenannter Probekandidat, überzeugte. So überzeugte, dass er bereits einen Profivertrag bekam. In der nächsten Saison sollte er das Rennteam UCI ProTeam bereichern.

Belgische GP Briek Schotte

Wouter Weylandt gewann 2005 den belgischen GP Briek Schotte, ein Radsport-Eintagesrennen, welches seit 1941 ausgetragen wird. Dieses Rennen erinnert an den belgischen Radrennfahrer Alberic „Briek“ Schotte, der die ersten drei Austragungsrennen gewann. Seit 2004, dem Tod von „Briek“, startet der GP zum Gedächtnis.

ENECO Tour, die Benelux-Rundfahr

Auch 2006 riss der Erfolg von Wouter nicht ab. Auf der ENECO Tour, der Benelux-Rundfahrt, erfuhr Weylandt auf einer Etappe den 3. Rang im Massensprint – nur vier Sekunden hinter dem damaligen Ausreißer Manuel Quinziato.

Die größten Erfolge: Vuelta a España und Giro d’Italia

Würde man Wouter Weylandt heute fragen können, was seine größten Erfolge waren – er würde sicher antworten, dass dies seine Etappensiege bei der Vuelta a España im Jahre 2008 und dem Giro d’Italia von 2010 waren.

2011: Guter Anfang – böses Ende

Die Saison 2011 begann für Weylandt mit einem Wechsel des Rennteams. Von Quick Step ging es zu Leopard Trek, einem Team, das gerade neugegründet war – und in & mit dem sich Weylandt weitere Siegeschancen ausrechnete.

Ja, es hätte so weitergehen können mit sportlichen Erfolgen, wenn nicht am 9. Mai 2011 das Unfassbare passiert wäre…

„Die Situation war hoffnungslos. Er war sofort tot“ (Zitat „Die Welt“) – diese traurige Schlagzeile beherrschte die Presse am 10.05.2011.

Wie der Unfall sich ereignet hat

Wouter Weylandt wurde jäh aus dem Leben gerissen, als er in rasanter Fahrt dem dritten Etappenziel in Rapallo entgegenfuhr. Während der Abfahrt vom Passo del Bocco, nur 25 Kilometer vom Ziel entfernt, stürzte Weylandt, weil er sich nach hinten umdrehte, um die aktuelle Rennsituation zu beurteilen.

Unglücklicherweise streifte er mit seinem linken Pedal bzw. seiner linken Lenkerseite in voller Fahrt eine Mauer. Das hatte zur Folge, dass er ca. 20 Meter weit, quer über die Straße, auf die andere Straßenseite geschleudert wurde.

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Einem Dominoeffekt gleich, war dies eine Verquickung unglücklicher Umstände, die Weylandt das Leben kostete. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen verstarb er noch am Unfallort.

Sicherheitsfrage

Was bis heute bleibt, sind zwiespältige Gefühle, die von der Sicherheitsfrage bestimmt werden…

In diesen Fragenkomplex ist auch der Manager Jef van den Bosch involviert, der noch einen Tag vor dem Startschuss zur dritten Etappe des Giro d’Italia von Weylandt eine SMS erhielt. In dieser bemängelt der Radprofi die Gefährlichkeit der Strecke und dass sehr nervös gefahren werde.

Kein wirklicher Trost

Im Kontext mit dieser Nachricht ist es wenig tröstlich, dass der italienische Renn-Arzt Giovanni Tredici wenig später sagte, es hätte eines wahren Wunders bedurft, um Weylandt zu retten. Aber er sagte auch, wenn es überhaupt einen Trost gibt, wenn ein 26-Jähriger so tragisch verstirbt, dann vielleicht dieser: „Er hat nicht gelitten. Er war auf der Stelle tot.“

The Show Must Go On!?

Es war der 4. Todesfall beim Giro, und die Sinnfrage ließ nicht lange auf sich warten. Die Organisatoren entschieden aber schon wenige Stunden später: The Show Must Go On! – denn auch in Italien waren Verdrängungsmechanismen zu beobachten! Am folgenden Tag beendete der Leopard-Rennstall von Wouter Weylandt die Italien-Rundfahrt.

In Unbehagen hat sich auch Tadel gemischt, denn Veranstalter bevorzugen spektakuläre Rennen, diese verkaufen sich besonders gut.

Erfolge eines kurzen Lebens bleiben

Die Routen werden bestimmt durch immer gefährlichere Abfahrten und steilere Anstiege. Jedoch lässt die Sicherheit der Fahrer oft zu wünschen übrig. Weder Warnschild, noch gelbe Flaggen sind präsent, wenn es um die Sicherheit geht. Aber gerade die muss gewährleistet sein! Ein unachtsamer Moment genügte, um alles in Frage zu stellen – die Erfolge eines kurzen Lebens aber bleiben, sind fest in der Geschichte des Radrennsports verankert.

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