
Als Tour de Marmara 1963 ins Leben gerufen und 1965 als internationaler Wettbewerb deklariert, um dann 1968 in die „Presidential Cycling Tour of Turkey“ umbenannt zu werden, trat diese Rundfahrt 2002 dem UCI-Kalender der kleinsten Kategorie bei – um 2003 wieder als nationales Rennen an den Start zu gehen!
2004 wurde es jedoch wieder als 2.5 eingestuft. Als 2005 die UCI Europe Tour Gestalt annahm, war die Türkei-Rundfahrt zunächst in Kategorie 2.2, 2008 in 2.1 und von 2010 bis 2016 schließlich 2.HC klassifiziert, was auch Top-Tour-Teams in den Jahren 2012 bis 2013 magisch anzog.
Neun World Tour-Teams unterstrichen mit ihrer Anwesenheit die Bedeutung der Türkei-Rundfahrt. Dieses rasante Wachstum ist auf die von der UCI geführte Politik zurückzuführen, eine Internationalisierung des Radsports zu forcieren.
Die in acht Etappen ausgetragene und jährlich im April stattfindende Rundfahrt wurde zwischen den Jahren 2017 bis 2019 Bestandteil des UCI World Tour-Kalenders. Allerdings wurde sie 2020, dem ersten UCI ProSeries-Kalender, in die 2. Liga herabgestuft, da die World Tour-Teams nicht ausreichend teilnahmen.
Im Jahre 2011 geschah etwas Denkwürdiges, denn das Radrennen führte erstmals über den Bosporus – eine Strecke, die Europa mit Asien verbindet!
Aber auch die Türkei-Rundfahrt im April 2012 wartete mit einigen Neuerungen auf.
Die Veranstalter durften sich sowohl über ein attraktives Rekord-Starterfeld freuen als auch über ein Rennen, das nach achttägigem Etappenplan eine Berg-Ankunft beinhaltete.
Zudem verlief es auch noch in entgegen gesetzter Richtung. Der bisherige Zielort Alanya wurde am 22. April zum Start, und am 29. April fuhr das Rennfahrerfeld auf die Zielgerade in Istanbul, von wo es seit 2008 immer gestartet war. Der Grund war einfach zu erklären: Die Metropole am Bosporus war 2012 europäische Sporthauptstadt!
29. April 2015 – An diesem Tag freute sich die Welt über ein besonderes Jubiläum von Rad-Profi André Greipel.
Greipel hat an diesem Tage seine Ankündigung wahr werden lassen, seine zehnte Etappe in der Geschichte der Tour of Turkey zu gewinnen.
Die 4. Etappe von Fethiye nach Marmaris brachte schließlich die Entscheidung: Der Deutsche setzte sich über 132 Kilometer in einem langgezogenen Sprint durch – und ließ die Italiener Daniele Colli und Daniele Ratto hinter sich.
Der Spanier Eduard Prades aus der Autonomen Gemeinschaft Baskenland konnte es wohl selber kaum glauben, denn es schien, als ob er das Glück gepachtet hätte – durch Bonussekunden schnappte er dem bis dahin Führenden der Türkei-Rundfahrt 2018, Alexej Luzenko aus Astana, der Hauptstadt von Kasachstan, am Schlusstag den Gesamtsieg weg!

Felix Großschartner, ein Bergspezialist, beanspruchte 2019 den Gesamtsieg für sich. Der damals 25-jährige Österreicher wurde zum Gewinner der Bergankunft auf der 5. von 6 Etappen. Dabei entsprach die Reihung der 5. Etappe, die aufgrund von Schneefall verkürzt gefahren wurde, fast den ersten Plätzen des Endklassements. Schnee im Nordosten der Türkei und das im April – nicht gerade typisch!
Einer der fürchterlichsten Stürze, die der Radsport je gesehen hat – der Niederländer Fabio Jakobsen hat ihn erlebt! …und geht bei der Türkei-Rundfahrt 2021 an den Start.
Selbst als Sprinter hat sich Jakobsen solch einen Sturz wohl nie vorstellen können. Sicher, er wusste um die Gefahr, die bei höchstem Tempo und engen Zielankünften droht, und natürlich gehören Stürze zum Radsport – aber…
Die erste Etappe der Polen-Rundfahrt wurde zum Desaster für ihn, denn dem Ziel nahe, drängte der Niederländer Dylan Groenewegen Jakobsen auf der schon wegen extremer Gefährlichkeit kritisierten Zielgeraden an die Streckenbegrenzung – und dieser fliegt mit 80 km/h gegen die Zielaufbauten und verschwindet in einem Trümmerhaufen.
Nun, der schwere Sturz gehört der Vergangenheit an, und Fabio Jakobsen schaut wieder nach vorn. Für ihn ist es das größte Geschenk, bei der Türkei-Rundfahrt das Comeback zu feiern!
Die achttägige Türkei-Rundfahrt 2021 endete mit einem Sieg des Spaniers José Manuel Diaz Gallego – und kaum zu glauben, dazu reichte der Tagessieg an der alles entscheidenden Berg-Ankunft des 5. Tages und die gezielte Abwehr der Bonus-Sekunden-Jagd durch den Zweitplatzierten Jay Vine aus Australien, dem im Endklassement eine einzige Sekunde fehlte.
Die anderen sieben Etappen wurden durch Massensprint entschieden, wobei auch ein Mark Cavendish mit insgesamt 4 Tageserfolgen zurück in seine Erfolgsspur fand.