Die Geschichte der Tour de France

Die Tour de France, in Kurzform auch Le Tour genannt, wurde erstmals im Jahre 1903 durchgeführt. Sie entstand als Werbeidee des französischen Verlegers Henri Desgrange, der damit seine Sportzeitung “L’Auto-Vélo“ bekannter machen wollte.

Wie alles begann

So gingen am 01. Juli 1903 insgesamt 60 Radrennfahrer an den Start, um den aus sechs Etappen bestehenden Streckenverlauf durch die französischen Großstädte zu bewältigen. Ein derartiges Etappenrennen, bei dem die Einzelzeiten für das Gesamtklassement addiert werden, war damals komplett neu. Nur 20 Fahrer erreichten das Ziel nach 2.428 Kilometern Streckenlänge, Gesamtsieger wurde Maurice Garin.

Das härteste Radrennen der Welt

In den folgenden Jahren war die Tour de France durch viele Skandale geprägt, da es zu unsportlichen Vorkommnissen und Sabotageakten seitens der Teilnehmer kam. So mussten etwa Rennfahrer suspendiert werden, da diese unerlaubt einen Zug für die Bewältigung einer Teiletappe nahmen.

Dennoch konnte sich die Tour in den Vorkriegsjahren als Sportereignis etablieren und machte sich einen Namen als härtestes Radrennen der Welt. Nach heutigen Maßstäben unvorstellbar sind die damals erbrachten Leistungen, es wurden Etappen von über 400 Kilometern mit nur spartanisch ausgestatten Radrennrädern über unbefestigte Wege und Kopfsteinpflaster gefahren.

Bergetappen – hier trennt sich die Spreu vom Weizen

Um den Spannungsbogen noch weiter aufzubauen wurden erstmal Bergetappen in den Pyrenäen (1910) und den Alpen (1911) zum Streckenverlauf hinzugefügt. Bis dahin galten diese Hochgebirge als unbezwingbar, damalige Rennräder verfügten noch über keine Gangschaltung.

Auch heute noch kommt es in den Alpen und Pyrenäen zu Entscheidungsfahrten für das Gesamtklassement. Legendäre Königsetappen sind zum Beispiel L’Alpe d’Huez oder der Col de la Madeleine.

Im Laufe der Jahre wurde die Anzahl der Etappen stetig erhöht, von anfangs 6 auf 24 im Jahre 1931. Allerdings wurden gleichzeitig die Streckenlänge und die Ruhetage gekürzt. Eine weitere Neuerung war die Einführung des “Maillot Jaune”, des gelben Trikots im Jahre 1919, mit dem der Führende der Gesamtwertung farblich zu erkennen war. 1939 folgte das gepunktete Trikot für den Führenden der Bergwertung.

Etappe L’Alpe d’Huez

Die Nachkriegsjahre

Nach einer kriegsbedingten Zwangspause fuhr die Tour de France 1946 erneut zu Höchstleistungen auf. Die Sportzeitschrift “L’Auto-Vélo“ wurde als ex-Nazikollaborateur kurzerhand in “L’Équipe” umbenannt und ist bis heute der offizielle Tour-Sponsor.

Um die im Norden stattfindenden Flachlandetappen wettkämpferisch interessanter zu gestalten, wurden 1953 ein grünes Trikot und eine dazugehörige Sprintwertung eingeführt. Nach diesem Trikot-Prinzip agiert die Tour de France bis heute.

Das gelbe Trikot nie ausgezogen

1961 erregte der französische Radfahrer Jacques Anquetil sportliches Aufsehen, als er das Gelbe Trikot von der ersten bis zur letzten Etappe durchgängig trug. Anquetil ist auch heute noch mit fünf Siegen einer der vier Topfahrer der Tour. Ein weiterer 5-maliger Gesamtsieger ist der Belgier Eddy Merckx, dem es 1969 gelang, unter anderem die Gesamt-, Sprint- und Bergwertung für sich zu entscheiden.

Denkmal zu Ehren von Eddy Merckx

Doping in den 60er Jahren

Bei der Tour 1967 kam es zu einem Zwischenfall, als während einer Bergetappe der britische Radrennfahrer Tom Simpson aufgrund von Dopingeinfluss an einem Herzstillstand verstarb.

Einen weiteren Todesfall eines Tourteilnehmers hatten die Organisatoren im Jahre 1995 zu beklagen, als bei einem Massensturz der Italiener Fabio Casatelli seinen schweren Sturzverletzungen erlag.

Doping wird zum Problem

Ende der 1990er Jahre, der 2000er und 2010er Jahre legte sich durch die zahlreichen Dopingskandale ein Schatten über die Tour de France. So wurden wiederholt ganze Teams aufgrund von Doping disqualifiziert oder verzichteten freiwillig auf die Tour-Teilnahme, wohl um einem Dopingnachweis zuvorzukommen.

Zum bekanntesten Vertreter der Untiefen des Dopings wurde Lance Armstrong, dem scheinbaren Ausnahmetalent, der die Tour 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005 gewann. Nach erwiesenem Dopingmissbrauch wurden ihm im Jahre 2012 alle Tour de France Titel aberkannt.

Trotz dieser Negativschlagzeilen kann sich die Tour de France heutzutage weiterhin als drittgrößtes Sportereignis der Welt behaupten und lockt jährlich mehrere hundert Millionen TV-Zuschauer vor den Fernseher.

Bildnachweise:
Bild 1: Tour de France. Bild von keesluising auf Pixabay
Bild 2: Etappe L’Alpe d’Huez. Bild von Hilmar Buschow auf Pixabay
Bild 3: Denkmal zu Ehren von Eddy Merckx. Bild von Ben Kerckx auf Pixabay
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