Radrennprofi Tom Boonen – die schnelle Überraschung aus Belgien

Der ehemalige Radrennfahrer Tom Boonen, geboren am 15. Oktober 1980 in Mol (Belgien), feierte seine größten Erfolge als Spezialist der Klassiker seines Sports. Einer seiner Spitznamen war neben Tommeke auch Tornado Tom – der schnelle Belgier überraschte seine Gegner wie ein Tornado.

Jugend

Bereits im Jugendbereich war Boonen in seinem späteren Spezialgebiet erfolgreich. 2000 gewann er den Klassiker Paris-Tours in der Sparte U23.

2001 wurde er, ebenfalls im Juniorenbereich U23, Belgischer Meister im Straßenrennen.

Mit nur 21 Jahren schaffte er 2001 den Sprung ins Profi-Lager und startete zunächst für das Team US Postal Service. Schon damals bezeichnete ihn sein Landsmann und Radsportidol seiner Jugend, Johan Museeuw, seinen Nachfolger.

Profijahre

Team US Postal Service

Die ersten Jahre im Profi-Lager erwiesen sich für den talentierten Belgier als mühsam. Bei US Postal hatte er die Position des Wasserträgers inne, und hatte – im Dienste der Mannschaft – laut eigenen Aussagen nur wenige Möglichkeiten, seine eigenen Ziele voranzubringen, denn von 1999 bis 2004 fuhr auch Tour de France Sieger Lance Armstrong für US Postal.

Erfolge mit dem neuen Team: Quickstep – Davitamon

Deshalb wechselte er 2003 zum Team Quickstep – Davitamon. Bis zu seinem Karriereende 2017 sollte Boonen dem belgischen Radsportteam Quickstep treu bleiben.

Erste größere Erfolge stellten sich 2004 mit dem Gewinn einiger flämischer Klassiker ein: er gewann Gent-Wevelgem, Scheldeprijs und den E3-Prijs Vlaanderen sowie jeweils zwei Etappen der Tour de France und der Deutschland Tour.

2005: Der erste Höhepunkt der Karriere

Ein erster Karrierehöhepunkt Tom Boonens war der Gewinn der Flandern-Rundfahrt 2005, gefolgt vom Gewinn des berühmten Klassiker Paris-Roubaix, der teilweise auf Kopfsteinpflaster ausgetragen wird, im selben Jahr.

Außerdem holte er in diesem Jahr auch seinen einzigen Einzel-Weltmeistertitel im Seniorenbereich und wurde in Madrid Straßenweltmeister.

Wichtigste Erfolge nach 2005 im Überblick

In den nachfolgenden Jahren feierte der Belgier zahlreiche Erfolge als Gesamtsiege:

  • Paris-Roubaix: 2005, 2008, 2009 und 2012
  • Paris-Brüssel: 2012 und 2016
  • Tour of Qatar: 2006, 2008, 2009 und 2012
  • E3 Prijs Vlaanderen: 2004, 2005, 2006, 2007 und 2012
  • Gent-Wevelgem: 2004, 2011 und 2012

Dazu kommen unter anderem noch:

  • sechs Etappensiege bei der Tour de France,
  • Etappensiege bei der Tour of Britain,
  • der Tour de Suisse,
  • der Österreich-Rundfahrt
  • oder der Belgien-Rundfahrt.

Die stärksten Profijahre: 2006 und 2012

Seine stärksten Jahre hatte der Belgier neben 2005 zweifelsohne 2006, als er bereits in der dritten Etappe der Tour de France das Gelbe Trikot des Gesamtführenden erobern und über vier Etappen verteidigen konnte sowie 2012, als er neben dem Gewinn der Klassiker Paris-Brüssel, Paris-Roubaix und Gent-Wevelgem auch den abermaligen Sieg bei der Tour of Qatar verbuchen konnte.

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Außerdem errang er 2012 den Belgischen Meistertitel im Straßenrennen und wurde Weltmeister im Mannschaftszeitfahren.

Unglücklicher Sturz und die letzten Jahre der Karriere

Im Oktober 2015 wurde die Karriere des Radsportlers auf der zweiten Etappe der Abu Dhabi Tour durch einen Sturz für zwei Monate unterbrochen. Tom Boonen brach sich damals das Schläfenbein, Ende 2015 stieg er jedoch bereits wieder ins Training ein.

Der Sturz in Abu Dhabi war für Boonen aber nicht ohne Folgen geblieben: sein Gehör blieb danach dauerhaft geschädigt.

Beim Radrennen Paris-Roubaix feierte er 2016 als Zweitplatzierter noch einen letzten großen Erfolg, bevor er seine Karriere 2017 beendete.

Negative Schlagzeilen: Kokain-Affäre

Tom Boonen machte jedoch nicht nur als Rad-Profi Schlagzeilen.

2008 war Boonen drei Tage vor der Belgien-Rundfahrt auf Kokain getestet werden. Der Test war positiv. Der Radprofi hatte in sportlicher Hinsicht Glück, dass die Belgien-Rundfahrt noch nicht begonnen hatte. Somit wurde der Test nicht als Doping gewertet.

Privat wurde das positive Testergebnis jedoch strafrechtlich verfolgt, weshalb Boonen sowohl die Tour de France als auch die Tour de Suisse 2008 verpasste. Die jeweiligen Veranstalter hatten ihn auf Grund der Kokain-Affäre ausgeladen.

2009 erfolgte ein weiterer positiver Kokain-Test, nur wenige Tage nachdem der Belgier den Klassiker Paris-Roubaix gewonnen hatte. Sein Team Quickstep suspendierte ihn daraufhin vorübergehend.

Tom Boonen hatte den wissentlichen Kokain-Konsum immer bestritten. Nach einer Haaranalyse wurde publik gemacht, dass diese Aussage der Wahrheit entsprechen könnte, da die nachgewiesenen Mengen des Stoffes jeweils sehr gering gewesen seien.

Nach seiner Radsportkarriere stieg Boonen 2017 in den Motorsport ein und startet seither in unterklassigen Rennserien, vornehmlich in Belgien.

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