
Am 17. Februar 1914 wurde René Vietto im Süden Frankreichs geboren. Er wuchs im beschaulichen Rocheville-Le Cannet, nördlich von Cannes auf. Um kaum einen anderen Radrennfahrer ranken sich so viele Mythen und Geschichten. Noch beachtlicher ist sein Heldenstatus, wenn man bedenkt, dass er die Tour de France nie gewinnen konnte.
In seiner Jugend verdiente er sein Geld als Liftboy in einem Hotel an der Küste Cannes. Den Weg über die Berge Südfrankreichs vom Haus seiner Mutter nach Cannes legt er jeden Tag mit dem Fahrrad zurück. Dies brachte ihm ganz nebenbei die nötige Kraft und Ausdauer, für die er von seinen späteren Kontrahenten gefürchtet wurde.
Seine Karriere im Radsport begann 1934 im Alter von 20 Jahren nachdem er von Alfredo Binda, einem zu der Zeit bekannten italienischen Radrennfahrer entdeckt wurde.
In diesem Jahr gewann René Vietto den Grand Prix Wolber, damals ein wichtiges Rennen für junge Nachwuchsfahrer und ein mögliches Sprungbrett in ein Team der Tour de France. Noch im selben Jahr nahm er für das französische Nationalteam Helyett – Hutchinson an der Tour de France teil.
René Vietto gewann vier Etappen sowie die Wertung für den stärksten Bergfahrer. In der Gesamtwertung beendete er die Tour de France auf Platz 5. Im Verlauf des Radrennens tauschte er zweimal das Rad mit seinem Teamkollegen Antonin Magne um diesem den Gesamtsieg zu ermöglichen. Dabei entstanden legendären Fotografien eines traurigen, am Boden zerstörten René Vietto, welcher seinen eigenen möglichen Sieg einbüßt, um seinem Kameraden zu helfen.
Am Ende der Tour wurde er von begeisterten Zuschauern gefeiert und bejubelt, während er gemeinsam mit Magne eine Ehrenrunde im Pariser Parc des Princes drehte. Als Sieger der Herzen machte er sich einen Namen in der Radsport Geschichte Frankreichs.
Dies sollte das siegreichste Jahr in seinem Werdegang bleiben. Der schnelle Aufstieg und der Sieg beim Klassiker „Paris-Nizza“ im darauf folgenden Jahr stiegen ihm zu Kopf und so folgte eine Zeit, in der René Vietto so umstritten war, dass ihn kein Rennteam mehr unter Vertrag stellen wollte.
Hinzu kam das aufgrund des 2. Weltkriegs die Tour de France zwischen 1940 und 1946 nicht ausgetragen wurde.
Trotzdem konnte er 1943 den Circuit du Midi, eine Rundfahrt, die im Süden des Landes stattfand und den Grand Prix de la République 1946 gewinnen.
Nach dieser schwierigen Zeit startete er 1947 für das Team France Sport – Dunlop bei der Tour und schaffte mit Platz 2 sein bestes Ergebnis in der Gesamtwertung. Obwohl er nie die Tour de France gewinnen konnte, hielt er bis 2012 den Rekord für die längste Zeit als Gesamtführender im Gelben Trikot der Tour.
Bis zum Ende seiner Karriere im Jahr 1953 nahm er insgesamt 8 Mal an Frankreichs berühmter Rundfahrt teil. Während dieser Zeit konnte er beachtliche 38 Rennen gewinnen.
Er starb am 14. Oktober 1988 und wurde zusammen mit seiner Frau auf dem Col de Braus, in der Region Lucéram beigesetzt. Hier konnte er 1934 während seiner ersten Tour de France Teilnahme die Bergwertung für sich entscheiden.
Heute erinnert ein Grabstein auf dem Gipfel an René Vietto. Frankreichs Held der Berge.