
Costante Girardengo stand in seiner erfolgreichen Karriere zweimal bei der Giro d´Italia ganz oben auf dem Treppchen. Sechs Mal gewann er Mailand-Sanremo und drei Mal entschied er die Lombardei-Rundfahrt für sich. Er galt als der erste große Radsport-Star. Italienische Fans und Medien kürten den Athleten zum „Campionissimo“ oder „Champion der Champions“.
Das Licht der Welt erblickte Costante Girardengo am 18. März 1893 in der nordwestitalienischen Stadt Novi Ligure in der Provinz Alessandria.
Im Jahr 1913 erfolgte sein Debut als Radprofi. Schon zuvor konnte er als Amateur mit einem 2. Rang bei der Toskana-Rundfahrt auf sich aufmerksam machen.
Mit 20 Jahren stieg Girardengo in das Maino-Dunlop Team ein. Bereits bei seiner ersten Giro d´Italia gelang dem jungen Sportler der erste seiner insgesamt 30 Etappensiege. Außerdem brachte er es zum Straßenmeister von Italien.
1914 konnte Costante Girardengo diese Erfolge erneut für sich verbuchen. Darüber hinaus schaffte er den ersten von fünf Siegen beim Radrennen Mailand-Turin. Mit der 430 Kilometer langen Strecke zwischen den Städten Lucca und Rom gewann der junge Radsportler die längste Etappe beim Giro d´Italia.
Noch im gleichen Jahr war Girardengo zum einzigen Mal bei der Tour de France als Gast des Automoto Rennteams dabei. Die Teilnahme lief jedoch unglücklich, weil er mehrere Male zu Sturz kam und schließlich aufgab. 1915 gelang ein weiterer Erfolg beim Rennen Mailand–Turin, die Giro d´Italia endete jedoch mit einer Enttäuschung, weil Girardengo disqualifiziert wurde.
1915 trat Italien in den Ersten Weltkrieg ein, was zu einer jahrelangen Pause des professionellen Radsports führte.
Als der Radsport wieder Fahrt aufnehmen konnte, tat sich Costante Girardengo zunächst schwer, wieder an seine alte Form anzuknüpfen.
1918 schaffte er jedoch bei der Classicissima einen von sechs Siegen. Dabei stellte er einen Rekord auf, der mehr als 50 Jahre andauerte.
1919 wurde für Girardengo zu einem traumhaften Jahr.
Zum Dominator wurde Costante Girardengo allerdings nicht, obwohl er bis 1925 die italienischen Meisterschaften gewann. Bei den weiteren Rennen der Giro d´Italia musste Girardengo jedoch mehrmals aufgeben. Besonders bitter war dies 1921, da er in diesem Jahr die ersten vier Etappen für sich entschieden hatte.
Als manche Costante Girardengo bereits abgeschrieben hatten, gelang es ihm 1923 wieder an seine Erfolgsform von 1919 anzuknüpfen und zum dritten Mal auf der Strecke Mailand Sanremo das Siegerpodest ganz oben zu besteigen.
Diesen Erfolg setzte er bei der Giro d´Italia fort und errang acht Etappensiege, was ihm letztlich zum zweiten Mal die Gesamtwertung bescherte.
Zum letzten großen Erfolgsjahr von Costante Girardengo wurde 1925.
Nach einem fünften Erfolg bei Mailand-Sanremo musste sich Costante Girardengo nach sieben italienischen Meistertiteln hintereinander Alfredo Binda geschlagen geben.
Diese Wachablösung leitete die Wende in Girardengos Karriere ein. 1927 blieb der Radrennmeister immer häufiger hinter Binda zurück. Trotzdem machte Girardengo bis 1936 weiter.
1928 gelang ihm noch einmal ein Sieg bei Mailand-Sanremo und er entschied Milano-Modena für sich.
Costante Girardengo war zu einem großen Star des Radsports aufgestiegen. Als sein schärfster Konkurrent Alfredo Binda 1936 seine Karriere beendete, zog auch Girardengo im Mai gleichen Jahres endgültig den Schlussstrich unter seine aktive Laufbahn.
Nach dem Karriereende rief Costante Girardengo einen eigenen Profi-Radrennstall in seiner Heimat ins Leben und arbeitete als sportlicher Leiter. Als Trainer war er für Rennteams wie das Maino-Team und die italienische Nationalmannschaft tätig.
Am 9. Februar 1978 verstarb der große Radrennsportler im Alter von 84 Jahren in Cassano Spinola.