Singlespeed Bikes und Fixies – fahren mit dem starren Gang | fahrrad.space

Singlespeed Bikes und Fixies – fahren mit dem starren Gang

Minimalismus auf zwei Rädern

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten ein Fahrrad zu fahren: Mit Freilauf oder starrer Nabe. Heutzutage fährt die große Mehrheit ein Rad mit Freilaufnabe wie bei einem Stadtrad oder Moutainbike. Singlespeed sind minimalistische Räder mit nur einem Gang, in der Variante des Fixies, verfügen sie, sowie die Bahnräder auch, über keine Freilaufnabe. Es ist nicht viel dran an einem Singlespeed-Fahrrad, folglich kann auch weniger an diesem Radtyp kaputtgehen. Singlespeeds und Fixies sind bekannt dafür wartungsarm zu sein.

Fixies sind Fahrräder mit starrem Gang. Sie verfügen über keinen Leerlauf und keine Bremse. Pedale und Hinterrad sind so über die Kette verbunden, dass sie sich nur gemeinsam bewegen können. Sobald die Räder rollen, drehen die Pedalen mit. Die Trittfrequenz reguliert die Fahrgeschwindigkeit und sorgt für ein Höchstmaß an Kontrolle über das Bike. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist das Fehlen von Anbauten, um unnötiges Gewicht zu vermeiden. So bewirkt der Verzicht auf Federung, Schutzbleche, Licht und Klingel ein puristisches Auftreten und macht das Fixie aufgrund seiner Leichtigkeit zu einem schnellen Transportmittel.

Wie alles begann

Obwohl die Freilaufnabe mit Bremse bereits 1903, vom Schwaben Ernst Sachs aus Schweinfurt, erfunden wurde, setzte sie sich erst in den 1920er Jahren durch. Selbst die Boten im ersten Weltkrieg 1914 bis 1918 fuhren noch mit Fixies durch die Gegend. Erst in den 1920iger Jahren, als die Firma Fichtel & Sachs ihre Naben-Produktion steigern konnte, setzte sich die technische Innovation durch. Fahrräder mit Freilauf stellten sich als bequemer als Räder mit nur einem Gang heraus, da sie es erlaubten, die Beine stillzuhalten, während sich das Rad trotzdem vorwärts bewegte.

Fixed Gear nur noch auf Rennbahnen

Der Komfort, ein Fahrrad mit Freilauf zu fahren und nicht ständig die Beine bewegen zu müssen, sorgte für eine rasante Verbreitung des Rads als Verkehrsmittel. Fixies wurden im alltäglichen Gebrauch fast komplett ersetzt. Dem Bahnrennsport blieben sie jedoch erhalten, denn sie passten nach wie vor perfekt zu den Anforderungen der Athleten. Da sich Fixies von geübten Fahrern bestens manövrieren lassen und so zu einer schnellen dynamischen Fahrweise beitragen, wurden sie größtenteils im Bahnradsport eingesetzt. Hierbei zählt damals wie heute die Kontrolle über die Geschwindigkeit über die Pedale und der daraus resultierende enge Kontakt zwischen Fahrer und Fahrrad.

 

Unterwegs auf einem Fixie

 

Singlespeed-Fahrräder wieder im Trend

Anfang der 80iger Jahre feierten Singlespeed-Bikes ihre Rückkehr als urbanes Fortbewegungsmittel, denn sie wurden mit steigender Tendenz als Fahrräder für Kuriere in amerikanischen Städten eingesetzt. Ihre Leichtigkeit und Schnelligkeit bedeuteten eine enorme Zeitersparnis und dementsprechend bares Geld.

Gemeinsam mit den Fahrradboten ruften Hipster und Skater die Singlespeed und Fixie-Bikes wieder ins Leben. Die Möglichkeit, vorwärts und rückwärts fahren zu können, erwies sich als cooles Mittel um Kunststücke vorzuführen. Als in den europäischen Städten ein Trend für minimalistisches Design und klare Linien einsetzte, erlebten die Fixies schließlich eine erneute Blütezeit. Dank der sogenannten Flip-Flop-Naben können Kunden das Fahrrad als Singlespeed mit Freilauf fahren.

Hersteller von Singlespeed- und Fixie-Bikes

  • Beatnecks Bikes
  • Chrisson
  • Create Bikes
  • Critical Cycles
  • Fixie Inc.
  • Fuji
  • KCP-Bikes
  • KHE Bikes
  • KS-Cycling
  • Leader96
  • MBM
  • Viking

Die Rahmengeometrie

Sie ähnelt der eines Renn- oder Bahnrads. Als bevorzugtes Material für den Rahmen wird Stahl verwendet, doch auch Aluminium hat sich als Standardmaterial bei vielen Fahrrädern durchgesetzt. Das Gewicht eines Singlespeed- oder Fixie-Fahrrads kann daher zwischen 9,0 kg und 13 kg variieren. Ein Stahlrahmen bringt hervorragende Fahreigenschaften mit sich, denn er federt gut mit, ist langlebig und sorgt für eine schlanke, elegante Erscheinung.

Im Vergleich zu anderen Materialien bringt er jedoch das meiste Gewicht auf die Waage. Als eine besondere Art von Stahlrahmen gilt der Chrom-Molybdän-Stahl. Er ist tendenziell leichter und sogar noch etwas robuster als ein vergleichbares Modell im Stahlgewand.
Aluminium-Rahmen sind oxidationsunempfindlich und aufgrund ihrer geringen Dichte, leichter als ein Rad im Stahlgewand. Zusätzlich besitzen sie einen größeren Rohrdurchmesser. Dies dient hauptsächlich der Dehn-, Biege- und Torsionssteifigkeit und sorgt optisch gesehen für einen bulligeren Auftritt. Fixies sind daher in schlanker als auch in stämmiger Optik vorhanden.

Singlespeed und Fixies heute

Die deutsche Straßenverkehrsordnung schreibt nach §65 vor, dass Fahrräder über mindestens zwei voneinander unabhängige Bremssysteme verfügen müssen. Aus diesem Grund dürfen Singlespeed- und Fixie-Bikes nur mit Bremsen durch die Städte gleiten. Heutzutage ist der Gang eines Singlespeed-Rads so eingestellt, dass auf gerade Strecke ein anständiges Tempo möglich ist und der Fahrer auch bei einer leichten Steigung problemlos auf dem Sattel bleiben kann.
Dank der innovativen Flip-Flop-Radnabe, welche bei vielen Bikes dieser Art vorinstalliert ist, kann ein Singlespeed innerhalb weniger Minuten zu einem Fixie umgebaut werden. Beide Lösungen sind inzwischen bei vielen Modellen im gleichen Fahrrad kombinierbar und lassen den Fahrer entscheiden, welche Variante er fahren möchte.

 

Singlespeed Bike

 

Ein Fahrrad der Extraklasse

Ein Singlespeed Bike bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Gerade in Städten, die eine flache Topografie aufweisen, kommt dieses Modell besonders gut zurecht. Im Vergleich zu einem Rennrad oder einem Mountainbike weist das Eingangrad ein besonders reduziertes Gewicht auf, denn es besitzt keine Nabenschaltung. Der Verzicht auf weitere Teile ist ein Grund, warum gerade dieses Fahrrad für seine Leichtigkeit und Schnelligkeit bekannt ist. Oft wird von typischen Accessoires, wie einer Klingel, Schutzblechen oder einem Gepäckträger, abgesehen. Ein Singlespeed erfordert, aufgrund seiner geringen Anzahl an Anbauten, weniger Aufwand bei Wartung und Pflege und schont den Geldbeutel.

Singlespeed Räder sind wieder im Trend

Neben vielen praktischen Vorteilen gibt es noch einen wesentlichen Pluspunkt: Stil. Der Look eines Singlespeed Rads ist äußerst clean. Es sieht, dank seiner wenigen angebauten Komponenten, sehr aufgeräumt und reduziert aus und ist im Großstadtdschungel ein garantierter Hingucker.
Seit in den europäischen Städten ein Trend für Minimalismus und klare Linien zu verzeichnen ist, erleben die Bikes aus den 20er Jahren einen erneuten Boom.

Vor allem Hipster und Skater haben die angesagten Modelle neu entdeckt und genießen Fahrradfahren mitsamt des einzigartigen Lebensgefühls von damals. Um ein noch reineres Aussehen zu erzeugen, wird oftmals auf weitere Teile verzichtet. Das kann beispielsweise ein Lenkradband oder die Vorder- und/ oder Hinterbremse sein. Außerdem werden Laufräder mit möglichst wenig Speichen verbaut. Dies sorgt für ein zusätzliches reines Auftreten.

Schwachpunkte

Aufgrund der fehlenden Gangschaltung muss ein geringerer Fahrkomfort eingebüßt werden. Singlespeed-Besitzer fahren mit mehr reiner Muskelkraft als Fahrer eines Fahrrads mit Gangschaltung. Des Weiteren sind seine Einsatzgebiete überschaubar. Die Liste für Bereiche, die besser nicht befahren werden sollten, ist länger als die der problemlos befahrbaren Strecken. Es ist für Städte oder unwegsames Gelände nicht geeignet.

Wer kein geübter Fahrer ist, wird das Bike zumindest anfangs als wenig alltagstauglich empfinden. Die Kette muss in regelmäßigen Abständen manuell nachgespannt und die Hinterbremse gegebenenfalls neu eingestellt werden.
Hinzu kommt, dass die Verkehrssicherheit eines typischen Eingangrads, auch wenn es über die vorschriftsmäßigen Bremsen verfügt, im Vergleich zu einem modernen Citybike selten der StVO entspricht.

Es bedingt einer besonderen Technik, ein solches Bike zu fahren und insbesondere abzubremsen, wenn keine Bremsen vorhanden sind. Geübte Fahrer können durch Vor- und Rücktrittbewegungen ein Singlespeed im Stand ausbalancieren oder aber, durch Bewegen der Pedalen in entgegengesetzte Fahrtrichtung, das Rad verlangsamen oder zum Stehen bringen.

 

Fixies Fahrräder ohne Freilauf

Klassische Fixies bzw. Fixed- Gear Bikes sind Räder, die ursprünglich für den Bahnradsport bestimmt und aufgrund ihrer charakteristischen Konstruktion nicht für den Einsatz im Straßenverkehr vorgesehen sind. Die sich fortwährend mitdrehende Kurbel gefährdet direkt die Sicherheit der Fahrer im Straßenverkehr. Fixies erfordern für ein sicheres Handling unbedingt spezifische Fahr- und Bremstechniken.

 

Fixie

 

 

Merkmale eines Fixed Gear-Bikes

  • Typischerweise besitzen Fixies keine Bremssysteme. In der Reinform besitzen sie weder einen Rücktritt noch eine Handbremse. Die Piloten bremsen ausschließlich mit Hilfe der Kurbel. Für eine verbesserte Sicherheit statten einige Fahrer ihre Fixed- Gear- Modelle nachträglich mit einer Rennradhandbremse, einer Seitenzugbremse oder einer Felgenbremse am Vorderrad aus.
  • Fixies verfügen über keinen Freilauf, sondern über eine Starrnabe. Drehen sich die Laufräder, versetzt dies parallel die Pedalen in Schwung. Ebenso haben sie keine integrierte Gangschaltung Deshalb lassen sich die Modelle über ein präzises Gegentreten gegen die Pedale unmittelbar verlangsamen. Diese Fahrtechnik wird als „ Skidden“ bezeichnet.
  • Fixed Gear- Bikes sollten im Idealfall eine Vorderbremse bzw. eine funktionale Handbremse besitzen, um die Kontrollierbarkeit der Räder zu optimieren und in der Praxis straßenverkehrstauglich zu sein. Fixed Gear- Modelle sind nicht für entspanntes Cruisen geeignet.

Tatsächlich verlangen sie nach technischer Raffinesse und unbeugsamer Aufmerksamkeit des Fahrers. In ihrer Reinform konzentrieren sich die Räder auf die objektiv notwendigsten technischen Komponenten. Der Verzicht auf Freilauf, Bremsen und Gangschaltung geht mit einer Gewichtsreduktion der Bikes einher, die die Agilität der Räder befeuert. Die Modelle schulen Fahrtechnik und Trittfrequenz.

Fahr- bzw. Bremstechniken

Grundsätzlich existieren tatsächlich mit Skip Stop, Skidz Stop und dem Back pressure Stop jeweils drei unterschiedliche Fixie- Fahrtechniken, die geübte Fixie- Piloten vergleichsweise sicher beherrschen sollten.

Skip Stop

Durch permanent kleine Sprünge, die der Fixie- Fahrer bewusst mitsamt des Hinterrades ausführt, baut er einen unmittelbaren Druck auf das Pedalsystem auf, entschärft den Speed des Rades und sorgt für eine sanfte Bremsung des Fixed Gear- Bikes. Die Technik ist objektiv nicht für das Abbremsen im Rahmen von hohen Geschwindigkeiten geeignet, sondern dient als essentielles Verfahren, um sich für das Fahrverhalten der Räder zu sensibilisieren. Unterstützt durch den Skip Stop lernt der Rider das Hinterrad gezielt zu blockieren und direkten Einfluss auf den Fahrfluss zu nehmen.

Skidz Stop

Der Skidz Stop gilt als die vergleichsweise populärste und sicherste Art mit einem Fixed Gear – Bike klassisch zu bremsen. Hierfür versetzt der Fahrer beide Pedale in eine identische Position, während er konstanten Druck auf das Pedalsystem ausübt. Sofern die Pedale auf gleicher Höhe stehen, kommt das Rad zum Stehen.

Pressure Stop

Wer negativen Druck bzw. Zugkraft auf beide Pedale einwirken lässt, forciert über den Back pressure Stop ein komfortables Abbremsen der Bikes.

Wegen der reduzierten technischen Elemente sind Fixies relativ günstig. Wer das puristische Fahrverhalten der Räder ausprobieren möchte, kann sich zur Montage am Hinterrad eine Flip- Flop- Nabe kaufen. Durch die Einbindung der Flip- Flop- Nabe erhält das Bike auf der einen Seite einen Freilauf, während die andere Seite einen Starrgang besitzt. Ausgestattet mit diesen Komponenten gleicht das modifizierte Fixie einem herkömmlichen Rad ohne Gangschaltung.

Fazit

Fixies sind perfekte Instrumente für Liebhaber puristischen Radsports. Skidden- Fahr- und Bremstechniken sollten unbedingt zum Repertoire der Fixie- Fahrer gehören. Wer einfach mit einem leichten und wartungsarmen Rad die Stadt erkunden möchte, für den können Single-Speed-Bikes das richtige Rad darstellen.

Bildnachweise:
Bild 1: Singlespeed Bike. Bild von mikebaenziger auf Pixabay
Bild 2: Unterwegs auf einem Fixie. Bild von אופניים חשמליים auf Pixabay
Bild 3: Fixie. Bild von Adam R auf Pixabay
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