Das E-Bike „Rimac Greyp G12S“ – Power aus der Rennwagenschmiede

Spätestens, seit der Mit-Moderator von „The Grand Tour“, Richard Hammond, bei einem Schweizer Bergrennen im Juni 2017 einen Concept One zerlegt und ausgebrannt hat, ist der Hersteller Rimac aus Kroatien auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Gegründet im Jahr 2009, stellt die Firma unter dem charismatischen CEO Mate Rimac Elektromobile für den obersten Leistungsbereich her. Unter Anderem gilt eines der Modelle als Halter des FIA-Rekordes für das Elektrofahrzeug mit der schnellsten Beschleunigung.

Rennwagen und jetzt E-Bikes

Im Jahr 2013 gründete die Rimac Automobili ein Tochterunternehmen für Elektrofahrräder. Dem damaligen Platzhirsch Pedelec wurde damit ein ernstzunehmender Konkurrent vor die Nase gesetzt. Die Firma Greyp Bikes hat allerdings, anders als Pedelec, nicht den Alltagsfahrer vor Augen, sondern auch hier wieder die Top-Performance.

Schon das Design des Modelles G12S unterscheidet es von jedem anderen E-Bike. Ein massiver Rahmen vereint Akku und Steuerung in einem Bauteil. Der Motor sitzt in der hinteren Nabe. Massive Stoßdämpfersysteme mit 200 mm Federweg vorne, sowie 222 mm hinten, zeigen auf den ersten Blick, dass das G12S für den verschärften Einsatz in jedem Gelände gedacht ist.

Rekordverdächtige Werte

Das Greyp G12S besitzt einen Akku mit 1,5 kWh Kapazität. Unter wie auch immer definierten „idealen Bedingungen“ sind damit 120 km Reichweite möglich. Der Motor leistet 12 kW, damit erreicht das Bike eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h.

Angesichts dessen, was mit 12 kW oder 16 PS sonst möglich ist, dürfen wir davon ausgehen, dass bei der Höchstgeschwindigkeit noch weitaus mehr machbar ist. Wir freuen uns schon jetzt auf die Tuningsätze, die mit Sicherheit folgen werden. Für Länder wie Deutschland, in denen E-Bikes mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von unter 25 km/h führerscheinfrei gefahren werden dürfen, steht ein sogenannter Street Modus zur Verfügung.

Alle Fahrzeugparameter im Blick

Als Hauptinstrument zur Anzeige von Fahrzeugdaten dient dem Greyp G12S ein 4:3-Farbbildschirm. Darauf wird nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch Ladezustand, Restladung und sowohl die ideale als auch die wahrscheinliche Reichweite angezeigt.

Dazu misst die Elektronik im Hundertstel-Sekunden-Takt an sieben verschiedenen Stellen des Akku-Packs die Ladung und rechnet die Ergebnisse in die Anzeige ein. Bei heftigen Bremsvorgängen fließen bis zu 2 kW Leistung über Rekuperation in den Akku zurück. So wird die Reichweite zusätzlich erhöht.

Hier kommt dem Hersteller die Erfahrung aus dem Automobilbau zugute, denn dort werden KERS-Komponenten zur Energie-Rückgewinnung nicht nur für die eigenen Modelle entwickelt, sondern auch für andere Hersteller von Supersportwagen wie Aston Martin, Koenigsegg oder Jaguar.

E-Bike Schwergewicht

Das G12S wiegt 48 kg, und ist damit kein Leichtgewicht. Für Bremsvorgänge bei 70 km/h Geschwindigkeit scheinen die Saint-Bremsen von Shimano auf den ersten Blick etwas schwach ausgelegt.

In der Praxis zeigt sich das jedoch nicht als Mangel, da die Steuerungselektronik grundsätzlich versucht, das Maximum an Verzögerungsleistung über den Nabenmotor per Rekuperation an den Akku zurückzugeben. Im normalen Alltag kommen die Scheibenbremsen daher eher wenig zum Einsatz.

Greyp Bikes ist mit dem G12S ein sportliches und alltagstaugliches E-Bike gelungen, das schon allein dank des eigenwilligen Designs zum garantierten Blickfang wird. Wer das Bike kaufen will, muss eine Reservierung durchführen und 30 Prozent des Kaufpreises anzahlen.

Dafür können etliche Komponenten, zum Beispiel auch die Farbabstimmung zwischen Rahmen und Felgen, individuell gestaltet werden. Für einen Kaufpreis – je nach Ausstattung – von 8000 bis über 9000 Euro muss man zwar tief in die Tasche greifen, die Aufmerksamkeit der Passanten ist einem allerdings jederzeit gewiss.

Bildnachweise:
Bild 1: Rimac Greyp G12S. Quelle: Rimac Press Media Gallery
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